Neue Variante

Andes-Hantavirus aus Südamerika

Im Frühjahr 2026 sorgte ein Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff in Argentinien für Schlagzeilen. Hier erfährst du, was das Andes-Virus ausmacht – und worin es sich von den in Deutschland heimischen Hantaviren unterscheidet.

Aktueller Ausbruch (Stand Mai 2026)

Auf einem Kreuzfahrtschiff unter niederländischer Flagge, das am 1. April 2026 in Südargentinien gestartet ist, wurde ein Ausbruchsgeschehen mit dem Andes-Hantavirus festgestellt. Laut RKI, WHO und ECDC sind mehrere Personen erkrankt, es gab Todesfälle. Die Untersuchung läuft – ungewöhnlich ist, dass das Andes-Virus als einziges Hantavirus auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Was ist das Andes-Virus?

Das Andes-Virus (ANDV) ist ein Hantavirus, das vor allem in Argentinien und Chile vorkommt. Hauptwirt ist die Langschwanz-Reisratte (Oligoryzomys longicaudatus). Eine Infektion kann zum schweren Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) führen – mit hohem Fieber, Atemnot und Kreislaufversagen. Die Sterblichkeit liegt je nach Region zwischen 25 % und 40 %.

Symptome im Verlauf

  • Frühphase (1–7 Tage): Hohes Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit – ähnlich wie eine starke Grippe.
  • Lungenphase: Plötzliche Atemnot, Husten, Wasseransammlung in der Lunge, niedriger Blutdruck. Diese Phase entwickelt sich oft innerhalb weniger Stunden.
  • Inkubationszeit: meist 2–4 Wochen nach Kontakt.

Übertragung – warum das Andes-Virus eine Sonderstellung hat

Wie andere Hantaviren wird das Andes-Virus über aufgewirbelte Partikel aus Kot, Urin und Speichel infizierter Nagetiere eingeatmet. Anders als alle anderen Hantaviren sind jedoch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen dokumentiert – über engen Kontakt, Tröpfchen und Körperflüssigkeiten. Genau diese Eigenschaft macht den aktuellen Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff so besorgniserregend.

Vergleich: Andes-Virus vs. deutsche Hantaviren

In Deutschland zirkulieren vor allem das Puumala- und das Dobrava-Belgrad-Virus. Sie verursachen ein anderes Krankheitsbild als das südamerikanische Andes-Virus.

MerkmalAndes-Virus (Südamerika)Puumala (Deutschland)Dobrava-Belgrad (Deutschland)
KrankheitsbildLungensyndrom (HPS)Nierensyndrom (HFRS), meist mildNierensyndrom (HFRS), schwer
HauptwirtLangschwanz-ReisratteRötelmausBrand- / Gelbhalsmaus
VerbreitungArgentinien, ChileSüd- & WestdeutschlandNorddeutschland
Inkubationszeit2–4 Wochen2–4 Wochen2–4 Wochen
Sterblichkeit25–40 %< 0,1 %ca. 1–5 %
Mensch-zu-MenschJa (dokumentiert)NeinNein
ImpfungKeine zugelassenKeine zugelassenKeine zugelassen

Wie groß ist das Risiko in Deutschland?

Das Andes-Virus kommt in Deutschland nicht heimisch vor – der natürliche Wirt lebt ausschließlich in Südamerika. Ein Risiko besteht praktisch nur für Reiserückkehrer aus Argentinien oder Chile, vor allem nach Aufenthalten in ländlichen Gebieten Patagoniens. Bei Symptomen innerhalb von vier Wochen nach der Reise sollte unbedingt die Reisehistorie erwähnt werden.

Quellen

  • Robert Koch-Institut – Informationen zum Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff (Stand 07.05.2026)
  • WHO – Disease Outbreak News: Hantavirus cluster linked to cruise ship travel (Mai 2026)
  • ECDC – Rapid risk assessment, Andes-Virus Cluster (Mai 2026)
  • CDC – About Andes Virus